Kann eines Tages eine Finanzkrise von p2p-Plattformen ausgehen?

HistoryDie Gesichte der Finanzmärkte ist gespickt mit Finanzkrisen. Schon in der Antike gab es Finanzkrisen. So verloren viele Sparer bereits im siebten Jahrhundert vor Christus viel Geld ein, als sie ihr Vermögen in so genanntem “Leichtgeld” anlegten. König Midas hatte damals die Geldmenge aufgebläht, in dem er den Metallgehalt pro Münze senkte. Am 7. Februar 1637 platzte in Holland die Blase der überhitzten Tulpenspekulation. Die Weltwirtschaftskrise 1929 wurde durch den Börsencrash am Schwarzen Freitag ausgelöst. Die letzte global beachtete Krise wurde durch den Zusammenbruch des Marktes für Subprime-Papiere verursacht – mit den bekannten Folgen.

Viele Crashs an den Märkten wurden ausgelöst durch heiß gelaufene Spekulationen in Finanzinnovationen. Bei König Midas war es das Leichtgeld, in den 80er Jahren waren es die Junk Bonds, 2007 waren es Collateralized Debt Obligation (CDO). Auch wenn Finanzinnovationen nicht zwangsläufig zu Weltwirtschaftskrisen führten, sind platzende Blasen bei neuen Assetklassen ganz und gar nichts ungewöhnliches. An das Kollabieren der Internetaktien um die Jahrtausendwende kann sich so mancher noch lebhaft erinnern. Aber es wiederholte sich nur die Geschichte. 100 Jahre vorher brachen die Eisenbahnaktien – damals so etwas wie High Techs – in New York dramatisch ein.

Geschicht wiederholt sich eigentlich immer!

Wird sich die Geschichte bei p2p-Krediten eines Tages wiederholen? Die Antwort ist einfach und lautet, “Ja, das könnte sein”. Nun braucht aber niemand sofort panisch werden und sein Geld bei auxmoney, Bonora, Funding Circle und Co. gleich wieder abziehen. Aktuell reden wir global betrachtet über einen absoluten Nischenmarkt. Aber dieser Markt wächst schnell und die Player haben ambitionierte Ziele. Im UK agieren derzeit 56 p2p-Plattformen. Experten rechnen damit, dass diese Plattformen in den kommenden zehn Jahren 20-30% des Marktes für Konsumentenkredite und 40% der Kredite für kleine und mittlere Unternehmen abwickeln werden. Gelingt dies, sprechen wir von marktrelevanten Größenordnungen. Die Volumina werden immer stärker von institutionellen Anlegern getrieben. Wie dieser Tage berichtet, platziert z.B. Aegon 150 Millionen Euro auf auxmoney. Im UK und in den USA sind solche Deals schon nichts besonderes mehr. Im UK werden zudem von einzelnen Plattformen börsennotierte Fonds aufgelegt, die Anlegergelder kanalisieren, um diese auf den eigenen Marktplätzen zu platzieren. Es geht also kurz oder lang um großes Geld, das sich nicht mit kleinen Zinsen zufrieden geben wird.

Mit Trustbuddy hat die erste Plattform in Europa die Grätsche gemacht

Ferner gibt es eine erste Evidenz, dass auch das Markeplace-Lending nicht der Stein der Waisen ist. Trustbuddy hat Pleite gemacht. Nun mag man meinen, dass das bei p2p-Krediten unerheblich ist, da ja Kredite von peer-to-peer vergeben werden. In China sollen aber hunderte von Marktplätzen zusammengebrochen sein. Käme es auf reifen Märkten zu solchen “soziologischen Phänomenen”, dann hätte das ganze eine andere Relevanz, auch wenn die Plattformen im Gegensatz zu Banken selber die Kredite nicht in der Bilanz führen. Das Risiko, dass es zu Kettenreaktionen kommt, ist dadurch geringer. Macht eine Bank pleite, hat das immer auch einen Einfluss auf das ganze Ökosystem der Banken. Geht eine Plattform in den Konkurs, würde hieraus eigentlich kein Risiko für andere Plattformen bestehen, jedenfalls kein direktes. Dass auf der Ebene der Plattformbetreiber über Risikofälle nachgedacht wird, zeigt das Beispiel von Landbay. Die britsche Plattform hat sich selber einer Serien von Stresstests ausgesetzt, wie sie sonst bei Banken üblich sind.

Auch von Algorithmen können Probleme ausgehen

Wenn die Finanzmärkte eines Tages ihre Hähne voll aufdrehen und nach Zinsen gierendes Kapital auf die p2p-Plattformen drängen wird, wird es Fälle geben, wo die Plattformbetreiber den Anreiz verspüren werden, weniger strickt bei der Zuteilung von Krediten zu sein. Dann wird vielleicht einfach etwas an den Parametern der Software gedreht und das Kapital kann in größerem Umfang auf die Plattformen fließen. Wir werden solche Fälle von Opportunismus sehen, es wird Betrugsfälle geben, es wird zu Übernahmen und Pleiten von Plattformen kommen. All das wird kommen, denn diese Fälle hat es bei allen Finanzinnovationen gegeben. Dennoch sollte das Risiko geringer sein, dass von p2p-Plattformen Kernschmelzen für das Finanzsystem in Gänze ausgehen. Die Plattformbetreiber sollten sich aber darauf einstellen. Denn kommt es zu Pleiten bei den Marktplätzen, dann werden Anleger sicherlich über die Assetklasse “p2p-Kredite” anders nachdenken und Anlageentscheidungen ggf. zukünftig anders treffen. Hierunter werden dann Kreditnehmer genauso leiden, wie es der Fall ist, wenn Banken restriktiver bei der Kreditvergabe sind!

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