„Wir nennen das Ganze Crowd Buying, da die Crowd die Produkte tatsächlich kauft.“ – Interview mit Tim Barkow zum Start von series-zero.eu

series_zero_logoKlaus-Martin Meyer: Tim, Du bist Geschäftsführer der Series Zero GmbH. Könntest Dich und die Firma bitte kurz vorstellen?

Tim Barkow: Series Zero ist eine Plattform, über die wir neuartige Produkte anbieten, die es in dieser Form in Deutschland und Europa so bislang nicht gegeben hat. Es kann sich dabei um die Markteinführung von Artikeln handeln, die es beispielsweise bislang nur in Amerika oder Asien gab oder alternativ um echte Serie-Null-Produkte. Wir nennen das Ganze Crowd Buying, da die Crowd die Produkte tatsächlich kauft. Wir kombinieren dabei die Vorteile von Crowd Funding mit einem klassischen Verkaufsprozess.

Klaus-Martin Meyer: Wie seit Ihr auf die Idee zu series-zero.eu gekommen und wie verortet Ihr Euch mit dem Crowd Buying im Crowdfunding-Kontext?

Tim Barkow: Die Idee des Crowd Fundings hat uns schon lange begeistert. Allerdings wollten wir eine Ergänzung zum klassischen Crowd Funding entwickeln, die viele Probleme löst. So haben Backer bei vielen Plattformen keinen rechtlichen Anspruch auf ihr Produkt (Reward), es gibt keinerlei Gewährleistung und auch die Herausforderung, dass die meisten Plattformen die Produkte nicht für Europa herstellen lassen. Damit sind viele Produkte gesetzlich hier gar nicht zugelassen (Stichwort CE), haben keine EU Stecker etc. Auch wollten wir die Lieferzeit deutlich verkürzen. Da wir nur fertig entwickelte Produkte anbieten, bekommen die Backer ihre Käufe in maximal 3-4 Monaten, beim Crowd Funding kann dies bekanntlich deutlich länger sein – wenn eine Produktentwicklung scheitert fällt es sogar komplett aus.

Klaus-Martin Meyer: Die größte Herausforderung zum Start ist es Angebot und Nachfrage auf die Plattform zu bekommen. Wie wollt Ihr diese Henne-Ei-Problematik stemmen?

Tim Barkow: Angebot und Nachfrage sind derzeit die größte Herausforderung für uns. Wir sind daher mit „nur“ einer Handvoll Kampagnen gestartet, die man sich eigentlich als Konsument mal eben kaufen könnte. Im Vorfeld haben wir mit vielen Freunden gesprochen, was sie von den Produkten halten. Unser Ziel ist es, für die Anfangszeit immer vier bis sechs Kampagnen anbieten zu können – damit müssen wir aber auch immer neue Artikel gewinnen. Daher sind wir ständig auf der Suche, bekommen aber inzwischen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis schon die ersten Hinweise auf tolle Dinge, die es hier bislang nicht zu kaufen gibt.

Die Nachfrage versuchen wir über Marketingmaßnahmen, die sozialen Medien usw. auszubauen. Wir hoffen dabei auch darauf, dass unsere Geschäftsidee auf das grundsätzliche Interesse der Crowd stößt und sie uns daher in der Anfangszeit besonders unter die Arme greift, uns weiterempfiehlt und sich auch an Kampagnen beteiligt. Gerade jetzt könnten sich einige Artikel als prima Weihnachtsgeschenke eignen – damit würde die Crowd gleich drei Dinge erledigen: seine Lieben mit neuartigen Produkten zu Weihnachten begeistern, die noch recht jungen Anbieter unterstützen und unsere Plattform fördern.

Klaus-Martin Meyer: Für welche Produkte wird series-zero.eu aus Eurer Sicht besonders interessant werden?

Tim Barkow: Unser langfristiges Ziel ist es, Produkte, die es hier in Europa bislang über keinen Vertriebsweg gab, als Erste anzubieten. Die Hersteller können nach der Kampagne dann natürlich überlegen, welche weiteren Weg sie über Onlinehändler, bekannte Plattformen etc. gehen wollen – aber wir wollen die ersten sein. Als Zweites wollen wir gern Produkte einer echten ersten Serienfertigung anbieten und damit insbesondere jungen Unternehmen ermöglichen, mit uns ihren Weg in den Markt zu finden.

Als Plattform sind wir dabei aber auf B2C-Produkte angewiesen. Viele Produkte werden vermutlich aus dem Bereich Technik, Gadgets und Design kommen und sich vermutlich häufig im einem Preissegment bis 100 Euro bewegen.

Klaus-Martin Meyer: Wie sieht die Roadmap für das kommende Jahr aus?

Tim Barkow: Unser Ziel ist es, eine ausreichend große Crowd aufzubauen, die mit großer Wahrscheinlichkeit die von uns ausgesuchten Kampagnen finanziert. Nur wenn wir diese haben, können wir auch Anbieter dazu bewegen, uns für eine Markteinführung als Partner ernst zu nehmen und uns sogar aus eigenem Antrieb anzusprechen. Derzeit geht die Initiative noch vollumfänglich von uns aus, später sollen sich die Anbieter eher darum bemühen, dass wir sie akzeptieren und die Kampagne starten.

Sobald wir etwas Luft haben, werden wir die englische Übersetzung der Plattform angehen. Unser Ziel ist es ja, dass eine Kampagne bereits mehrsprachig angeboten wird und sich damit Backer aus ganz Europa beteiligen können. Mittelfristig wollen wir später auch Französisch ermöglichen, womit wir dann mit Deutsch, Englisch und Französisch einen Großteil von West- und Nordeuropa abdecken können.

Daneben wollen und müssen wir die Funktionalitäten der Plattform weiter ausbauen und für den User noch intuitiver und einfacher machen.

Abschließend möchte ich nochmal einen Punkt betonen: wir machen dem klassischen Crowd Funding keine Konkurrenz. Crowd Funding finanziert die Produktentwicklung und ist daher ein tolles Instrument. Wir setzen mit unserem Crowd Buying hingegen deutlich später, also nach der Produktentwicklung, an. Daher ist es durchaus möglich, dass Produkte erst ein Crowd Funding für die Entwicklung durchgeführt haben und sich dann für eine echte erste Serienfertigung für Series Zero entscheiden.

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