„Mit Degussa-Crowdfunding haben wir eine Plattform geschaffen, die es unseren Kunden ermöglicht, eigene Ideen in Gold oder Silber zu verwirklichen.“ – Interview mit Wolfgang Wrzesniok-Roßbach Sprecher der Geschäftsführung der Degussa

DegussaKlaus-Martin Meyer: Herr Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, Sie sind Sprecher der Geschäftsführung der Degussa. Könnten Sie sich und degussa-crowdfunding.de bitte kurz vorstellen?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Ich habe bei der Dresdner Bank den Edelmetall- und Rohstoffhandel geleitet und dann einige Jahre die Sales- und Marketing-Aktivitäten der Heraeus Metallhandelgesellschaft mbH verantwortet. Seit 2011 bin ich Geschäftsführer der Degussa.

Mit Degussa-Crowdfunding haben wir eine Plattform geschaffen, die es unseren Kunden ermöglicht, eigene Ideen in Gold oder Silber zu verwirklichen. Die Vorgehensweise: Sie reichen eine Idee ein, unsere Experten prüfen die Realisierbarkeit und geben Auskunft über die Material- und Herstellungskosten. Sagen wir, die Idee eine Silbermünze zur 250sten Jahrfeier ihrer Stadt mit einem individuellen Motiv zu produzieren kostet bei einer Auflage von 100 Exemplaren 5.000 €. Dann kostet eine Münze pro Besteller 50 €. Der Initiator sucht jetzt über die Degussa-Crowdfunding-Plattform weitere 99 Unterstützer, so dass er und die interessierten Unterstützer ohne Risiko die individuell gestaltete Silbermünze mit eigenem Motiv zum Stückpreis von 50 € dann und nur dann zahlen und erhalten, wenn genug Unterstützer zusammen kommen. Ansonsten gibt es das Geld ohne Abzüge und durch eine Bank abgesichert zurück. Das ist die Idee in kurzen Worten und ein unschlagbares Angebot sowohl preistechnisch aber auch in der Möglichkeit eigene kreative Ideen in Edelmetall zu realisieren. Hinzu kommt die einzigartige Rabattfunktion. Bestellen mehr als die geplanten 99 Unterstützer, so wird das Produkt für alle gleichermaßen billiger und kostet z.B. bei 200 Unterstützern nur noch 38 €, da die Fixkosten für die Erstellung der individuellen Werkzeuge eine bedeutende Rolle spielen.
Aber auch für private Ideen ist die Plattform nutzbar. Wer Zugang zu einem Projekt erhält, entscheidet allein der Initiator. Ob nur er, eine kleine beschränkte Gruppe wie beispielsweise Vereinsmitglieder, die nur er einladen kann, oder alle bestellen können, liegt in seiner Hand.
Wenn vom Initiator gewünscht, werden wir auch eine Spende an eine Einrichtung seiner Wahl mit in das Produkt kalkulieren.

Klaus-Martin Meyer: Was motiviert die Degussa, die Crowdfunding-Idee für das eigene Kerngeschäft zu implementieren?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Gold und Silber sind sehr faszinierende Materialen und wir wollen neuen Kundengruppen neue Perspektiven eröffnen. Mit der Crowdfunding-Plattform gehen wir einen solchen Weg. Wir glauben an die Kreativität der Menschen und den Wunsch, etwas Einzigartiges zu schaffen. Dabei helfen wir mit unseren Kontakten und know- how. Degussa übernimmt das Preisrisiko im Edelmetall, die Organisation der Produktion, der Versicherung, der Bezahlung, der Verpackung und den sicheren Versand. Durch die Plattform ist es uns möglich, diese Dienstleistung strukturiert und schlank einem breiten Publikum anzubieten.

Klaus-Martin Meyer: Der Ansatz, den Sie wählen, erscheint mir (als Nicht-Fachmann) eher eine Nische zu adressieren. Welche Pläne haben Sie mit der Plattform?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Sie mögen recht haben, dass wir mit der Degussa-Crowdfunding-Plattform einen neuen Teil-Markt adressieren. Aber zum einen sind uns auch diese Teilmärkte wichtig, und zum anderen schaffen wir eine Marketing-Plattform, die sich noch weiter entwickeln lässt. Zur Zeit ist es jedoch noch zu früh, darüber zu reden. Wir sind ja gerade erst mit der aktuellen Degussa-Crowdfunding-Plattform gestartet und werden erst einmal Erfahrungen sammeln. Und unterschätzen Sie die Kreativität der Menschen nicht.

Klaus-Martin Meyer: In Singapur betreibt der Edelmetallhändler Silver Bullion seit kurzem eine Crowdlending-Plattform. Auf dem Kreditmarktplatz können Kreditnehmer ihre Edelmetallbestände, die diese bei dem Händler einlagern, bei der Investorencrowd beleihen. Wären derartige Services von Ihrer Seite denkbar?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Ihre Frage zeigt, welche neuen Ideen eine Crowd-Plattform ermöglicht. Als Degussa sind wir in diesem Bereich aber nicht tätig. Wir sind kein Kreditinstitut bzw. Vermittler von Krediten und planen das auch nicht. Das würde in Deutschland ganz andere regulatorische Anforderungen an uns stellen. Allerdings diskutieren wir derzeit die Möglichkeiten einer Verpfändung von Edelmetall durch unsere Kunden an Degussa. Hier ist der Entscheidungsprozess allerdings noch nicht abgeschlossen.

Klaus-Martin Meyer: Zum Aufbau der Plattform haben Sie auf die Expertise von Table of Visions zurückgegriffen. Welche Argumente sprachen im Rahmen der Make-or-buy Entscheidung für externe Experten?

Wolfgang Wrzesniok-Roßbach: Unsere Mitarbeiter konzentrieren sich auf die Kernaufgaben der Degussa. Wie in verschiedenen anderen Bereichen bedienen wir uns natürlich auch externer Dienstleister. Table of Visions haben wir im Rahmen einer Ausschreibung, die uns die Universität St. Gallen organisiert hat, ausgewählt und sie haben sich als idealer Partner zur Erstellung der Degussa-Crowdfunding-Plattform erwiesen. Letztlich entscheidend war für uns die Rabattfunktion für unsere Kunden, da mengenabhängige Fixkostenreduktion bei unseren Produkten eine wesentliche Rolle spielt und wir damit dem Initiator die sonst notwendige Entscheidung zwischen Mindestmenge und Preis praktisch komplett ersparen. Er muss nur den Maximalpreis pro Stück definieren, wodurch die Mindestabnahmemenge bestimmt wir. Wird mehr bestellt, sinkt der Preis für alle automatisch.

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