Interview mit Georg Gasteiger zum Crowdfunding für den Mesnerhof-C auf startnext

Mesnerhof-cKlaus-Martin Meyer: Georg, du betreibst den Mesnerhof-C in Tirol. Kannst du dich und das Projekt bitte kurz vorstellen?

Georg Gasteiger: Klar, ich bin in Tirol auf einem Bauernhof aufgewachsen, als „Nicht-Ältester“ war ich aber nicht für die Hof-Nachfolge bestimmt. So folgten nach einem Wirtschaftsstudium in Wien, diverse Arbeits-Stationen bei Banken, Medien und bis vor kurzem in der Innovationsförderung. Über all die Jahre in der Stadt blieb ich aber dem „Land“ verbunden. Auch als ich vor gut 15 Jahren begann, mich eingehend mit dem Zusammenhang von „Kreativität und Raum“ zu beschäftigen, hat mich die Bedeutung des Naturraums auf den Innovationsprozess besonders interessiert. Ich kürze jetzt ab und sage einfach, dass ich gerade in den Bergen, am 400 Jahre alten Mesnerhof, einen Ort gefunden habe, der ideale Bedingungen für die „Emergenz des Neuen“ bietet. Das einzige Problem: das zauberhafte Ensemble war nach Jahrzehnten des Leerstands dem Verfall Preis gegeben. Das Projekt Mesnerhof-C beinhaltet somit zwei Aspekte: zum einen die Rettung alpiner Baukultur und zum anderen die Entwicklung eines kreativitätsfördernden Rückzugsorts für gemeinschaftliche Aktivitäten – ein „Community Retreat“.

Klaus-Martin Meyer: Auf startnext rufst du aktuell zur Unterstützung auf. Worum geht’s bei der Kampagne?

Georg Gasteiger: Nachdem wir im Jahr 2013 den ehemaligen Wohntrakt der Bauern sorgsam saniert haben, das Mesnerhof Chalet, ist jetzt der nächste Bauabschnitt dran: der riesige Heustadl wird zum Mesnerhof Camp ausgebaut, eine Art temporärer Co-Living Space für 25 Personen. Dieser Schritt stellt die bislang größte finanzielle Herausforderung für den Erhalt der alten Baustruktur dar. Wir konnten die Finanzierung für eine „Basisversion“ bereits sichern, es gibt aber ein paar Bauelemente wie Glasflächen mit Sicht auf die Berge oder eine Indoor-Kletterwand, die wir unseren Gästen gerne anbieten wollen, die sich wirtschaftlich aber einfach nicht ausgehen. Die Kampagne heißt daher „Save the Heustadl – make your Camp“. Als Dankeschöns haben wir uns passenderweise einiges zum Thema „Heu“ einfallen lassen, z.B. selbstgemähtes Heu im Duftsackerl, Sensenmähkurse oder Patenschaften für original Heumandln. Aus letzteren haben wir sogar attraktive Design-Lampen, sogenannte „Haylights“ fertigen lassen. Zudem gibt es Aufenthalte im Mesnerhof Chalet, eine der Top 10 airbnb Destinationen in Tirol, zum Sonderpreis.

Klaus-Martin Meyer: Die Kombination traditioneller Finanzierungsformen mit Crowdfunding finde ich interessant. Wie funktioniert das?

Georg Gasteiger: Du sagst es, es geht um die Kombination, genauer gesagt um eine Anreicherung. Wir finanzieren einen Großteil der Sanierung konventionell – aus dem Ersparten, über die Bank und aus Mitteln der ländlichen Entwicklung, also über öffentliche Förderung. Damit stellen wir die Realisierung der schon erwähnten Basisversion des Camps sicher. Das Crowdfunding-Finanzierungsziel hingegen liegt gerade mal bei 5% des Gesamtvolumens. Das heißt wir ziehen das Ding auch ohne Crowdfunding durch. Allerdings, alles was über die Crowd reinkommt macht den Heustadl „sexier“. Schließlich ist ein Gutteil unserer Unterstützer daran interessiert, das Camp auch selbst irgendwann zu nutzen.

Klaus-Martin Meyer: Welches Potenzial siehst du in Crowdfunding für touristische Innovationsprojekte?

Georg Gasteiger: Da muss ich zuerst eingrenzen. Wir reden von real-estate Tourismus, also Hotels, Beherbergungen und Gaststätten und nicht von Apps & Co. In diesem Fall würde ich zwischen den Crowdfunding Typen unterscheiden. Ein Hotel-Projekt, das zur Realisierung unbedingt ein Crowdinvesting braucht – egal ob innovativ oder nicht – muss schon ziemlich an der Wand stehen. Bankdarlehen und auch Beteiligungskapital sind derzeit am Markt wesentlich günstiger als über Crowdinvesting-Plattformen zu haben. Pre-Sale Crowdfunding ist für Häuser, die bereits geplant nur noch nicht gebaut sind, eine effiziente Methode, um den Durchsetzungspreis zu definieren und frühzeitig Buchungen einzuwerben. Reward-based Crowdfunding hat, was den Innovationsprozess betrifft, das größte Potenzial. Es lassen sich zu einem Vorhaben sehr schnell lead-user ausfindig machen, die sich in Gestaltungs- und Servicefragen immer wieder zu Wort melden. Es lässt sich auch gut herausfinden, welche „Dankeschöns“ als späteres Angebot gut ankommen könnten und welche weniger. Nicht zu unterschätzen ist natürlich auch die mediale Aufmerksamkeit während der Kampagne und deren Langzeitwirkung. Ein touristisches Angebot muss das Herz berühren und da passt Love-Money einfach gut dazu.

Klaus-Martin Meyer: Wie soll es nach dem Abschluss der Crowdfunding-Kampagne weitergehen?

Georg Gasteiger: Der Baustart für das Camp ist im Herbst und bis dahin wissen wir, welche Bau-Elemente wir aus der Crowdfunding-Kampagne finanzieren können. Im Frühjahr erfolgt der Innenausbau und die Eröffnung des Mesnerhof Camps findet im Sommer 2017 statt, inklusive Heumandl-Fest mit unseren Unterstützern.

Facebook: https://www.facebook.com/Mesnerhof.Community.Tirol/
Video: https://www.youtube.com/watch?v=7fIyyYZlvdI&feature=youtu.be

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