„Wir waren schon kurz nach dem Start von Kartenmachen.de in der Gewinnzone“ – Interview mit Andreas Ritter (Kartenmachen.de) zum kürzlich erfolgreich beendeten Seedmatch-Crowdfunding

kartenmachen.de-LogoKlaus-Martin Meyer: Herr Ritter, Sie sind der Geschäftsführer der Firma Kartenmachen.de Druck GmbH. Könnten Sie sich und die Firma bitte kurz vorstellen?

Andreas Ritter: Den Online-Shop Kartenmachen.de gibt es seit 2014. Wer ein Fest ausrichten und seine Gäste stilvoll mit gedruckten Karten einladen möchte, ist bei uns richtig. Gastgeber können bei Kartenmachen.de für eine Vielzahl von Festen Einladungskarten mit ganz unterschiedlichen Motiven bestellen. Das Besondere an unseren Karten: Man kann einen persönlichen Text auf die Karte drucken lassen. Diese Dienstleistung bieten auch andere Kartenshops an – allerdings mit dem Unterschied, dass man seinen Text dort mit einem Web-2-Print-Tool selbst in das Kartenmotiv einbringen muss. Bei uns erledigen das gelernte Grafik Designer. Sie sorgen dafür, dass nur wenige Tage nach der Bestellung optisch perfekte Einladungskarten im Briefkasten des Gastgebers liegen. Trotz dieser zusätzlichen Dienstleistung sind wir eher günstiger als unsere Mitbewerber.

Klaus-Martin Meyer: Vor kurzem haben Sie in größerem Umfang externes Kapital akquiriert. Wofür benötigen Sie diese Mittel?

Andreas Ritter: Am 4. August haben wir unsere Crowdinvesting-Kampagne bei Seedmatch beendet. 353 Investoren stellen uns für die kommenden viereinhalb Jahre 340.500 Euro zur Verfügung. Das ist großartig, denn das frische Kapital hilft uns, schneller zu wachsen: Wir wollen unsere Produktionsgeschwindigkeit erhöhen, schneller neue Kartenmotive und neue Zusatzprodukte entwickeln. Dafür brauchen wir einen besseren Drucker (den haben wir schon) und neue Mitarbeiter (die suchen wir gerade). Zusätzlich werden wir in unser Online-Marketing investieren – auch das bindet Personalkosten. In den nächsten Jahren wollen wir ins europäische Ausland expandieren, das kostet natürlich auch etwas. Dank unserer Investoren, können wir die genannten Ziele schneller erreichen.

Klaus-Martin Meyer: Was war der Grund sich für ein Crowdfunding zu entscheiden, wo die Zinsen aktuell im Keller sind und man sich bei einer Bank vor allem die hohen Bonuszinsen sparen würde?

Andreas Ritter: Wir waren schon kurz nach dem Start von Kartenmachen.de in der Gewinnzone. Seitdem – also seit 2014 – wuchs unser Umsatz jährlich im dreistelligen Prozentbereich. Das weitere Wachstum hätten wir problemlos aus unseren Gewinnen finanzieren können – oder eben mit Hilfe der Bank. Es stimmt: Für Verbraucherkredite sind die Zinsen aktuell niedrig. Bei Unternehmen sieht das aber etwas anders aus. So riesig ist der Unterschied zwischen dem Modell „Bank“ und dem Modell „Crowdinvesting“ gar nicht. Der Hauptgrund, weshalb wir uns für Crowdinvesting entschieden haben, ist jedoch ein anderer: Als Online Shop brauchen wir Reichweite. Marketing ist für uns extrem wichtig. Und die Marketing-Effekte von Crowdfunding sind immens: Schon durch die schiere Präsenz auf der Seite von Seedmatch generieren wir viel Aufmerksamkeit. Dazu kommen noch die Blogposts, Newsletter und Social-Media-Postings von Seedmatch, unsere Social-Media-Aktivitäten und unsere Pressearbeit. Auch nicht zu unterschätzen ist die innovative Kraft der Crowd: Tausende von Menschen prüfen unser Geschäftsmodell intensiv und teilen ihre Marketing- oder Produktideen mit uns. Das bringt uns bei Kartenmachen.de weiter und gibt uns viel Energie für unser Wachstum.

Klaus-Martin Meyer: Aus ihrem Unternehmensumfeld ist zu erfahren, dass die Crowd Ihnen ein engagiertes Feedback gab. Wird da neben bekundetem Interesse auch etwas Zählbares für das Geschäftsmodell herauskommen?

Andreas Ritter: Ja, tatsächlich: Einer unserer Investoren, die Firma Cleafin hat uns ein tolles Kooperationsangebot gemacht. Inzwischen sind wir Geschäftspartner. Unsere personalisierbaren Einladungskarten sind ja nicht nur etwas für Privatpersonen; auch Unternehmen, die viele Kundenveranstaltungen machen, wollen wertig zu ihren Events einladen. Das B2B-Thema hatten wir erst für später auf dem Schirm. Jetzt ist es ganz unerwartet von selbst gekommen. Das hat uns wieder gezeigt, dass Crowdinvesting weit mehr ist als Geldeinsammeln. Was wir auch erlebt haben: Einer unserer Investoren wollte Informationsmaterial über uns verteilen. Wir haben dann gleich für alle unsere Investoren kleine Gutscheinkarten entwickelt, die sie weitergeben können. Auf diese Art und Weise haben ganz neue Menschen von unserem Angebot erfahren.

Klaus-Martin Meyer: Was sollte der potentielle Crowdinvestor in Bezug auf Chancen UND Risiken wissen, bevor er sich engagiert?

Andreas Ritter: Als Investor darf man sich nicht von schicken Geschäftsmodellen und hohen Renditen blenden lassen. Denn natürlich: Wir haben es beim Crowdinvesting mit Risikokapital zu tun. Wenn der Gründer sein Unternehmen in den Sand setzt, kann es sein, dass mein investiertes Geld weg ist. Weil dieses Risiko besteht, sind die Renditen ja auch so hoch. Deshalb sollte man ein Startup genau prüfen, bevor man sein Sparkonto plündert.
Konventionelle Bankprodukte bieten in der Null-Zins-Phase keine Anreize mehr. Insgesamt ist es zurzeit so, dass Vermögenswachstum nur mit riskanteren Anlagen gelingt. Bevor ich aber ausschließlich in Risikoanlagen aus dem klassischen Banksektor investiere, die sehr weit weg von meiner Lebensrealität sind, gebe ich mein Geld lieber auch mal einem deutschen Startup. Dessen Geschäftsmodell kriege ich auf dem Tablett serviert. Ich kann es in Ruhe überprüfen und dem Gründer dazu direkt Fragen stellen. Ich kann seine Auseinandersetzung mit anderen potenziellen Investoren im Dialog nachprüfen und mir ein Bild machen, ob ich es da mit einem Luftikus oder mit einer geerdeten Unternehmerpersönlichkeit zu tun habe. Ganz abgesehen davon, tue ich auch noch etwas für die deutsche Wirtschaft. Möglicherweise habe ich auch einen ideellen Gewinn: Nämlich dann, wenn ich mich für ein Unternehmen entscheide, dessen Vorgehen ich für gesellschaftlich wichtig halte. Crowdinvesting ist eine neue Art des Wirtschaftens; davon werden wir sicherlich noch mehr sehen.

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