Seedrs führt Sekundärmarkt ein

SeedrsNoch diesen Sommer will Seedrs einen Sekundärmarkt einführen. Kündigt man dies mit einem solchen Vorlauf an, könnte man mutmaßen, dass auch andere Player Pläne in der Schublade haben…. Hat Seedrs deshalb eine PR-Offensive gestartet, um als Innovator dazustehen?

Durchdachter Ansatz

Seedrs geht bei der Einführung des Sekundärmarktes – wie aus dem Blogposting der britischen Plattform hervorgeht – einen wohl durchdachten, vorsichtigen Weg. Der Zweitmarkt wird keineswegs jedem Anleger zur Verfügung stehen. Agieren können zunächst nur solche Investoren, die bereits in dem einzelnen Wert engagiert sind. Dies macht durchaus Sinn, da eigentlich bei allen Crowd-finanzierten Unternehmen nach der Finanzierung Schluß ist mit Transparenz, zumindest gegenüber Outsidern. Hält man diese Personengruppe außen vor, umgeht man sehr elegant das Problem asymmetrischer Informationsverteilungen. Gleichzeitig beschneidet man sich natürlich einer großen Liquidität, denn verkaufswillige Investoren können nur an andere Bestandinvestoren, die aufstocken wollen, verkaufen.

Preisfindung ist eingeschränkt

Kaufen und Verkaufen kann man auf dem Sekundärmarkt von Seedrs nur zu einem so genannten “Fair Value” entsprechend der Valuation Policy der Plattform. Beim Fair Value spielen z.B. die Preise der letzten Finanzierungsrunde eine Rolle. Der Markt ist zudem zeitlich limitiert. Vom ersten Dienstag eines jeden Monats, soll der Sekundärmarkt für eine Woche geöffnet sein.

Aufgrund dieses Ansatzes macht weder die Plattform sich selber noch den Kunden unnötig Konkurrenz, insbesondere in Zeiten, wenn neue Finanzierungsrunden anstehen.

Aufgrund des Pooling-Ansatzes kann Seedrs bei der Einführung des Sekundärmarktes nun strategische Wettbewerbsvorteile ausnutzen, denn es braucht im Grunde nur die Aktien von einem Kunden auf den anderen umbuchen, weil man gewissermaßen das Aktienbuch der Firmen selber führt. Zwischenzeitliche Verkäufe an Dritte brauchen nicht befürchtet zu werden.

Was macht die Konkurrenz?

Seedrs beugt sich mit der Einführung eines Zweitmarktes vor allem den Wünschen der eigenen Kunden. Crowdcube hat offenbar für den sporadischen Einsatz ein ähnliches Konstrukt bereits im Einsatz. Beim Eigenfunding konnten die Kunden Verkaufswünsche äußern, diese wären aber nur zum Zuge gekommen, wenn das Crowdfunding in der maximalen Höhe zustande gekommen wäre. Zudem hat offenbar über dieses Tool ein Exit an externe Investoren stattgefunden. Ein wirklicher Sekundärmarkt ist das aber nicht.

Wer sollte dem Beispiel von Seedrs folgen?

Zumindest alle Plattformen mit Pooling-Ansatz sollten dem Vorbild von Seedrs folgen. Da Anleger ohnehin Anteile handeln und die Plattformen die Umbuchungen bisher als Service (mehr oder weniger gratis von Hand) abwickeln, stellt sich die Frage, warum man diesen Prozeß nicht automatisiert und zudem dafür abkassiert?

Man darf gespannt sein, welches Handelsvolumen auf dem Beta-Sekundärmarkt zustande kommen wird. Aus rein “akademischen” Überlegungen wird der Autor versuchen, sein Portfolio ein wenig umzuschichten, um das Instrument zu testen.

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