Kommentar zur Anhebung des Mindestinvestments bei Companisto

Companisto LogoEnrico Bitto fragt in seinem Blog derstartupinvestor.de nach der Meinung der Leser zur Anhebung des Mindestinvestments bei Companisto auf 100€. Ich will mal direkt auf crowdstreet.de auf den Beitrag antworten…

Mir ist schleierhaft, wie die durchgeführte Anhebung ein Ergebnis sein kann, das aus einer Investorenumfrage abgeleitet wurde. Dem einzelnen Investor, der sich als selber als ernsthaft betrachtet, kann es ganz egal sein, ob es Spaßinvestoren gibt, die nur fünf Euro investieren. Vielleicht war es einfach nicht intelligent die Frage überhaupt zu stellen, wenn das Durchschnittsengagement ohnehin deutlich höher liegt?

Ich glaube auch nicht, dass es wirklich viele Spaßinvestoren gibt. Vielmehr bin ich der Überzeugung, dass das Wort Interessent passender ist. Warum Interessenten aussperren? Für einen Studenten sind 100€ für ein Hochrisiko-Invest viel zu viel Geld, weil man bei einer solchen Risikolage sicherlich mind. 30 Investments benötigt, um ein Risiko-adjustiertes Portfolio aufzubauen. Hierfür sprechen auch die vielen Investment-Fails bei Companisto & Co.
Auch das Statement im Companisto-Blog, dass die meisten Crowdinvesting-Plattformen Investments ab 250€ ermöglichen, ist reiner Marketing-Sprech. Vermutlich vergleicht man sich ausschließlich mit Seedmatch…

Und wenn man wie Enrico bei einer Plattform mit Pooling-Ansatz anfängt von administrativen Kosten zu reden, wird es aus meiner Sicht schon fast peinlich.
FinTechs sollten wirklich eine Plattform effizient betreiben können, selbst wenn tausende Investoren nur jeweils einen Fünfer investieren. Auch in die Fondsparpläne von angeblich behäbigen Banken kann man bereits mit wesentlich kleineren – wenn auch monatlichen Beiträgen – investieren.

Der Marketing-Aspekt, den auch Companisto in der Vergangenheit für seine Plattform in Anspruch nahm, war dann wohl etwas übertrieben. Schließlich kann jeder Kunde auch ein Investor werden wollen und anders herum. Aktuell läuft das Revolut-Crowdfunding auf Seedrs an, eines der größten Crowdfundings ever. Viele tausend interessierte Investoren haben sich registrieren lassen. Revolut hätte locker ein Mindestinvest von 1000 GBP oder mehr verlangen können. Aber was tun die Bankenrevoluzzer? Sie legen ein Maximuminvestment von 1000 GBP fest und jeder kann und soll offensichtlich mit einem Zehner dabei sein. Warum nicht einfach nur zehn Pfund investieren und bei zukünftigen Runden nachlegen?

Zudem sollte jede Plattform auch einen langfristigen Fokus haben. Junge Leute, die heute wenig investieren, werden sich mit steigendem Einkommen und Investments nach erfolgreichen Exits (wo bleiben die eigentlich?) stärker engagieren.

Fazit: Für mich ist die Anhebung ein vollkommen falscher Ansatz. Ein Indiz könnte sein, dass Bergfürst einst von 250€ auf 10€ zurückgerudert ist, und dass die großen Plattformen im wichtigsten europäischen Markt sich seit Jahren mit 10 GBP zufrieden geben. Warum also ohne Not bei einer Umfrage auf Companisten hören, die sich bei ihren Antworten vermutlich selber etwas zu wichtig genommen haben. Ich lege mich fest, der Schuss wird nach hinten los gehen! Andere Meinungen?

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4 Responses to Kommentar zur Anhebung des Mindestinvestments bei Companisto

  1. Claus sagt:

    Das Mindestinvest von 10 GBP bei Seedrs wird in der englischen Branche durchaus kontrovers gesehen. Seedrs ist natürlich der Meinung, dass es so genau richtig ist. Andere Plattformen sind der Meinung das setzt die falschen Signale und Anreize und könnte zu verstärkten Regulierungsbestrebungen und Klagen führen.
    Ich finde die 10 GBP Minimum gut, verstehe aber die Gegenargumente

    • klausmartin sagt:

      Man könnte die Admin-Kosten gelten lassen bei Plattformen, die kein Pooling haben. Geht man dann noch davon aus, dass vielleicht sechs bis acht Anlagen ohnehin über die Wupper gehen, ist das Admin-Kostenargument zumindest bei den Pooling-Plattformen irrelevant. Ob da automatisch generierte Mails in hunderter oder tausender Stückzahlen rausgehen ist auch egal.
      Und man könnte ebenfalls ein regulatorisches Argument gelten lassen, dass bei 10 GBP das Risiko der Anlage vollkommen ignoriert wird, weil es irgendwie egal ist. Zudem könnten bei Börsengängen, Gebühren die 10 GBP vollkommen auffressen.
      Will man aber angesichts des hohen Risikos eine maximale Gewichtung eines Wertpapieres von zum Beispiel 1% realisieren, braucht man schon 1000 GBP. Für Einsteiger eine hohe Summe.
      Gehe ich von mir aus, dann investiere ich auf Seedrs oft im ersten Step kleine Summen zwischen 20 und 50 GPB. Entscheidungsgrundlage ist dabei mangels Zeit manchmal nur das bloße Geschäftsmodell (zudem glaube ich nicht daran, dass es viel bringt, sich intensiver mit den Erfolgsaussichten zu befassen, weil man nicht in die Zukunft gucken kann). Gibt es dann bei einer Folgefinanzierung positive Ansätze, lese ich mich dann ggf. tiefer ein (oder auch nicht) und lege nach. Ein solchen Schrotflinten-Ansatz ist bei zehnfach höheren Mindesteinsätzen kaum umzusetzen für normale Menschen. Bilde mir ein die Tage igendwo Durchschnittszahlen von Crowdinvestoren zu lesen waren. Die Gesamtinvestments sollen dem durchausaus vierstellig gewesen sein, die Anzahl der Investments aber unter drei. Das ist ja Kamikatze… Hier sollten die Plattformen die Anleger vor der systematischen Überschätzung der Chancen schützen. Mit tut man eher das Gegenteil…

  2. Lieber Klaus-Martin,
    ich muss dir leider in allen Punkten widersprechen. Warum wir eine Umfrage unter unseren Investoren machen (du schriebst „ohne Not“)? Natürlich weil wir uns für Ihre Meinung interessieren! Dafür braucht es keine Not. Frag da mal jeden anderen Unternehmer, die Meinung der Kunden ist für alle wichtig. Und du meinst, die Crowdinvestoren würden sich selbst zu ernst nehmen? Wie rechtfertigst du denn diese Einschätzung? Wenn ich dich nach deiner Meinung frage, nehme ich dich selbstverständlich auch ernst. Ich nehme auch den Artikel hier ernst und möchte mich gerne mit dir auseinander setzen. Tatsächlich ist es immens wichtig, dass Investoren sich ernsthaft für ein Startup interessieren und eventuell auch nach ein Finanzierungsrunde noch mal intern investieren würden, wenn es einen finanziellen Engpass geben sollte. Würdest du für 5 Euro Investment eine umfassende Due Diligence machen? Und dann auch noch mal Geld geben? Bei Venture Capital Gebern ist das ganz normal, dass man mit seinen Finanzierungspartner zusammenarbeitet. Möchte Companisto ein wertvoller Co-Finanzierungspartner sein, dann brauchen wir starke Investoren mit ernsthaftem Interesse. Das alles mal beiseite: letztlich hat unsere Investorengemeinschaft ganz klar entschieden. Und wir finden es durchaus intelligent, sie danach zu fragen. Wir haben übrigens nie davon gesprochen, administrative Kosten einzusparen. Wo hast du das denn her? Und zum „Marketing-Sprech“: 10 von 22 aktiven Crowdinvesting-Plattformen haben eine Mindestinvestmentsumme von 250 Euro. Nachzulesen unter anderem hier: https://www.crowdfunding.de/crowdinvesting-plattformen/ (16 haben übrigens eine MI-Schwelle von 250 und mehr. Bei uns investieren die Companisten übrigens im Durchschnitt in 3,18 Startups. Die Einmal-Investierer (z.B. Friends & Family eines Gründerteams) werden hier mit eingerechnet.

  3. klausmartin sagt:

    Hallo Cristin,

    Du hast mich falsch verstanden. Ich halte es für durchaus sinnig Umfragen zu machen. Nur bezweifle ich, dass es klug war, die Frage nach dem Mindestinvest überhaupt zu stellen. Wie viel Prozent der Companisten haben denn davon Gebrauch gemacht, nur fünf Euro zu investieren. Ich habe es nicht einmal gemacht. Die einzige 5€ Position ist ein Anteil an Companisto selber, den ich aber einem anderen Investor abkauft habe. Ich hätte gern auch mehr genommen. Bin ich deswegen nicht ernsthaft???
    Ich wundere mich sehr, dass Leute, die nur fünf Euro investieren, schlicht nicht für „ernsthaft“ gehalten werden – z.T. nicht einmal von engagierten Crowdinvestoren selber, wie man im Crowdinvestoren-Forum auf Facebook sieht.

    Mit „ohne Not“ war gemeint, dass Euch niemand zwingt, auf die Investoren zu hören, um den Mindestinvest zu modifizieren, den ihr bei Eurer Gründung noch selber abgefeiert habt (Zitat: „Wir haben als Plattform ganz bewusst auf eine Mindestinvestitionssumme verzichtet, um so tatsächlich jedermann/frau ein Investment in Startups zu ermöglichen. “). Ich kann mir auch keinen ernsthaften Großinvestor vorstellen, der auf ein Investment verzichtet, nur weil da auch ein paar Studenten vielleicht nur jeweils einen Fivr reingelegt haben. Für mich sieht das Eurerseits eher nach einem Signal an kritische Companisten aus, dass an irgend einer Stelle mal auf Kritik eingegangen wird. Viele Companisten sind ja durchaus frustriert, wie mir scheint…

    Der Statistik kann ich nur entgegenhalten, dass das Marktvolumen von Crowdcube und Seedrs vermutlich größer ist, als das aggregiert Volumen der 22 Plattformen. Sofern die Zahl Immobilien-Plattformen beinhaltet, würde ich die ohnehin einmal rausnehmen wollen (weil da hoffentlich ein anderes Risikoprofil zugrunde liegt).

    Und sieht man sich die Durchschnittsinvests auf den beiden britischen Plattformen an, sind diese vermutlich auch größer, trotz des Mindestinvests von lediglich 10 GBP.

    Warum sich also (als Marktführer?) nicht mit den Benchmark-Plattformen vergleichen, sondern mit Marktfolgern, um dann einen Wettbewerbsvorteil aufzugeben??? Ich bin überzeugt, dass passierte „ohne Not“. Warum nicht die Startups über die Höhe entscheiden lassen??? Den kleinen Summen in der ersten Runde, könnten ja höhere in den späteren Runden folgen.

    Als Food for thought: Bekomme gerade eine Mail von einem CEO, wo es um die dritte Finanzierungsrunde geht, insgesamt 200.000 Euro für ein portugiesisches Startup (nach einer Woche sind bereits 72% der Zielsumme realisiert): „If you cannot invest a substantial amount, believe me that even a symbolic investment (less than 20€) will do all the difference.“

    P.S. Dass der repräsentative Companist nach so vielen Finanzierungen nur 3,18 mal investiert hat, muss eine Megamotiviation für Euch sein, den Wert zu ver-x-fachen. Angesichts des Risikos der Anlagen, ist der Wert viel zu niedrig.