Interview mit Joschka Friedag zur zweiten Crowdfunding-Runde von Cringle auf Companisto

Klaus-Martin Meyer: Joschka, seit unserem letzten Interview und Eurem ersten Crowdfunding ist sicher eine Menge bei Euch passiert. Was genau?

Joschka Friedag: Vor allem sind wir gewachsen. In den letzten 12 Monaten haben wir unser Team auf 16 Mitarbeiter verdoppelt. Dadurch sind wir in den Bereichen Entwicklung, Marketing und Vertrieb deutlich besser aufgestellt. So konnten wir unsere Produktpalette um eine API-Lösung erweitern und werden in Kürze eine völlig überarbeitete Cringle-App veröffentlichen.

Während wir im letzten Jahr zwar schon ein ausgereiftes Produkt und mit der DKB einen großen Partner hatten, mussten wir noch unser Geschäftsmodell unter Beweis stellen. Wir hatten eine sehr gute Entwicklung, die sich vor allem in neuen, renommierten Kunden zeigt. Neben der Deutschen Vermögensberatung konnten wir die BNP Paribas und das Bankhaus August Lenz gewinnen.

Außerdem sind unsere Nutzerbasis und unser Transaktionsvolumen ebenfalls stark gestiegen. Wir haben aktuell über 75.000 Nutzer und über 3.5 Millionen Euro wurden mit Cringle transferiert. Das entspricht einer Verdopplung unserer Nutzer und einer Verdreifachung des Transaktionsvolumens im Vergleich zum Vorjahr.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell will Cringle abermals via Companisto 600.000 Euro einsammeln. Wie werden diese Mittel verwendet? Und warum ist die Bewertung aus Eurer Sicht fair?

Joschka Friedag: Wir wollen paneuropäisch aktiv werden. Mit dem Kapital werden wir nach und nach weitere Partner in Europa gewinnen und somit weitere Länder anschließen. Die Mittel fließen daher primär in unser B2B Marketing. In zweiter und dritter Instanz stärken wir aber auch unseren Vertrieb und das Entwicklerteam, um in Zukunft auch unsere API-Schnittstelle überall anbieten zu können. Unsere Unternehmensbewertung lag im letzten Jahr bereits bei 4,1 Millionen Euro. Heute sind wir bei 6 Millionen. Die Wertsteigerung kommt durch das bisher erreichte, wie Eingangs erwähnt. Hinzu kommt, dass mit Axel Springer, Yabeo und der Investitionsbank Berlin, bereits namenhafte Investoren von uns überzeugt sind. Wir denken daher, dass wir potentiellen Investoren ein sehr faires Angebot bieten.

Klaus-Martin Meyer: Beim ersten Crowdfunding haben sich fast 1500 Companisten für Cringle interessiert. Habt Ihr Indizien dafür, wie diese Zielgruppe Eure App verwendet? Companisto hat in der Zwischenzeit den Mindestinvest auf 100€ hochgesetzt. War das vor diesem Hintergrund in Eurem Interesse?

Joschka Friedag: Wir haben keine konkreten Indizien, wie stark die Investoren Cringle nutzen. Aus Gründen des Datenschutzes analysieren wir nicht das Verhalten einzelner Zielgruppen. Wir haben jedoch gesehen, dass unsere App seit der Kampagne deutlich mehr genutzt wird. Da unser Wachstum zu einem Großteil organisch ist, wird ein Hauptgrund auch in der Mundpropaganda der Companisten liegen. Das merken wir auch an den E-Mails und Kommentaren der Investoren.

Ob das Mindestinvestment hochzusetzen der richtige Schritt war, ist nicht einfach zu beantworten. Companisto hat allerdings schon viele erfolgreiche Kampagnen geleitet und besitzt wesentlich mehr Erfahrung als wir auf diesem Gebiet. Die vielen kleinen Investoren haben uns im letzten Jahr natürlich geholfen, dennoch glauben wir, dass die Änderung sinnvoll ist. Auch für uns verringert sich damit der Aufwand, z.B. in der Beantwortung von Fragen. Die Grenze von 100 Euro sollte aber für einen seriösen Investor keine Hemmschwelle darstellen.

Klaus-Martin Meyer: Welchen Hebel erwartet Ihr aus der geplanten TV-Werbung für das Geschäft? Inwieweit wird dies die Kundenbasis aber auch die Partnerbasis verbreitern?

Joschka Friedag: Als Unternehmen im Bereich der Finanzindustrie spielt Vertrauen eine unglaublich wichtige Rolle. Daher ist es wichtig, dass wir die Marke Cringle einem breiten Publikum bekannt machen. TV-Werbung ist daher noch immer das Maß der Dinge, wenn es um Branding und ein seriöses Auftreten geht. Selbst wenn die App dann nicht sofort heruntergeladen wird, stellt sich beim Publikum ein vertrautes Gefühl ein, wenn Sie noch einmal auf Cringle aufmerksam werden. Natürlich gilt das auch für unsere Partner. Fernsehwerbung ist noch immer sehr teuer und aufwendig in der Umsetzung. Wir zeigen zukünftigen Partnern damit, dass wir nicht mehr das kleine Startup aus der Garage sind und uns vor anderen Unternehmen nicht verstecken müssen.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell drängt mit Seedrs eine britische Crowdfunding-Plattform auch auf den deutschen Markt. Seedrs ist im Fintech-Segment ungleich präsenter als Companisto. Habt Ihr andere Plattformen für Euer Funding auch in Betracht gezogen?

Joschka Friedag: Ja, das haben wir. Wir haben von einer Vielzahl an Crowdfunding-Plattformen Angebote erhalten, uns letztlich aber doch wieder für Companisto entschieden. Wir können natürlich nicht sagen, wie eine Crowdfunding Kampagne auf einer anderen Plattform verlaufen wäre.
Da wir im letzten Jahr bereits sehr erfolgreich auf Companisto waren und wir eine aktive Community aufgebaut haben, kam für uns dieses Jahr keine andere Plattform in Frage.

Markiert mit .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.