Interview mit Prof. Dr. Wolfgrang Kehr zum epinamics-Crowdfunding auf aescuvest

Klaus-Martin Meyer: Herr Professor Dr. Kehr, Sie sind Gründer und Geschäftsführer der Firma epinamics GmbH. Könnten Sie bitte sich und die Firma bitte kurz vorstellen?

Wolfgang Kehr: Sehr gern, Herr Meyer. Ich bin Arzt und Facharzt für Pharmakologie und Geschäftsführer der epinamics GmBH. Mit vier Mitarbeitern stellen wir das weltweit erste aufsprühbare Wirkstoffpflaster her, das auch bei Alzheimer und Parkinson eingesetzt werden kann. Das sogenannte Liqui Patch bildet innerhalb von 90 Sekunden einen transparenten Film auf der Haut, der sich mit warmem Wasser und Seife wieder abwaschen lässt, die Patienten sind in ihrer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt. Da die Wirkstoffe transdermal verabreicht werden, erreichen wir einen Wirkungsgrad, der bis um den Faktor 5 höher ist als bei herkömmlichen Wirkstoffpflastern. Diese weltweit patentierte Technologie ist aber nicht aus dem Nichts entstanden. Ich habe nach einem Postdoc-Aufenthalt 1971-1972 in Göteborg bei Prof. Arvid Carlsson – der 1999 den Medizin-Nobelpreis gewinnen sollte – die Neuropharmakologie bei der Firma Schering mit aufgebaut, die ich dann zehn Jahre geleitet habe. Nach weiterer fünfjähriger Leitung der globalen Pharma-Forschung von Schering habe ich die Führung des Dermatologie- und Onkologie-Geschäfts des Unternehmens übernommen und danach für sieben Jahre das Therapeutika-Geschäft von Berlex in den USA geführt. Nach meiner Rückkehr nach Berlin wurde mir die Leitung des damals nicht-strategischen weltweiten Dermatologie-Geschäfts anvertraut, das wir dann 2005 in die Intendis GmbH ausgegründet und erfolgreich weiterentwickelt haben. Nach der Übernahme durch die Bayer AG verließ ich das Unternehmen und beteiligte mich 2008 an der epinamics GmbH, die ich als Geschäftsführer gemeinsam mit meinem Partner, Hans-Michael Thiede, weiterentwickelt habe. epinamics testet die Möglichkeiten und Grenzen dieser Plattformtechnologie für transdermale Produkte und Produkte für die lokale Behandlung von Hauterkrankungen im firmeneigenen Labor in Potsdam aus und treiben mit erfahrenen Partnern die vorklinische und klinische Entwicklung sowie die Herstellung der Produkte gemäß der Good-Manufacturing-Practice-Kriterien für die klinische Entwicklung und der Marktprodukte voran.

Klaus-Martin Meyer: Aktuell akquirieren Sie via aescuvest Kapital für ihr Produkt Liqui-Patch. Warum haben Sie sich für ein Crowdfunding entschieden?

Wolfgang Kehr: Nachdem wir mit über 70 deutschen und zum Teil auch europäischen Venture-Capital-Companies gesprochen hatten und keine dieser Firmen in Pharma-Entwicklungen investieren wollte, sind wir guter Hoffnung, mit dem Crowdfunding ausreichend Personen von unserer Technologie überzeugen und sie motivieren zu können, in die ersten Produktentwicklungen zu investieren. Man muss dazu wissen, dass sich VCs insgesamt seit der Finanzkrise im Pharma-Bereich zurückhalten, was insofern bedauerlich ist, weil heutzutage Innovationen nicht so sehr von Pharma-Riesen, sondern eher von Startups wie uns ausgehen. In kleinen Unternehmen herrscht naturgemäß eine andere Dynamik, wir können auch schneller auf Unvorhergesehenes reagieren. Ein Crowdinvesting hat nicht zuletzt den Vorteil, dass viele Menschen von epinamics erfahren.

Klaus-Martin Meyer: Das Funding wird bei der Medizinplattform aescuvest abgewickelt. Warum fiel die Wahl auf diese Plattform? Wurden weitere Marktplätze in Betracht gezogen?

Wolfgang Kehr: Die Erfahrungen von aescuvest speziell mit Medizintechnologieprodukten und pharmazeutischen Produkten, ihre positiven Crowdinvesting-Kampagnen und die besondere Ansprache von potentiellen Investoren mit medizinischem/pharmazeutischem und technischem Hintergrund haben uns sehr überzeugt, so dass wir weitere Marktplätze nicht in Betracht gezogen haben.

Klaus-Martin Meyer: Sie haben mit ihrer langjährigen Branchenexpertise sicherlich viele MedTech-Startups kommen, prosperieren aber auch scheitern sehen. Was sollte ein Anleger vor diesem Hintergrund über die Chancen und Risiken eines Investments bei epinamics wissen, bevor das Engagement eingegangen wird?

Wolfgang Kehr: Ein Anleger sollte wissen, dass die Risiken von Produktentwicklungen mit der Film-bildenden Arzneimittel-Verabreichungstechnologie von epinamics gering sind, weil wir nur mit schon zugelassenen Wirkstoffen arbeiten, die Hautverträglichkeit der Basistechnologie im Vergleich zu arzneimittelhaltigen Pflastern hervorragend ist, die Hautpenetration von Wirkstoffen nicht nur in vitro, sondern auch an gesunden Probanden gezeigt worden ist und die Entwicklungsdauer bis zur Marktreife mit 2,5 Jahren sehr kurz ist im Vergleich zu 7-10 Jahren für die Entwicklung von neuen Wirkstoffen.
Auch die Chancen sind gut. Das Interesse von pharmazeutischen Firmen an dieser Technologie ist groß, zwei Lizenzverträge sind bereits mit Pharmafirmen abgeschlossen – darunter einer mit einem der führenden forschenden brasilianischen Pharmaunternehmen, mit dem wir zusammen zunächst Brasilien und dann ganz Südamerika angehen wollen. Weitere Verträge werden folgen, wenn die klinischen Prüfungen, die wir mit dem Crowdfunding Kapital finanzieren wollen, erfolgreich abgeschlossen werden.

Klaus-Martin Meyer: Wenn das Geld auf dem Konto ist, was werden dann die ersten Schritte sein? Wann können die Investoren die ersten relevanten News über neue Entwicklungen erwarten?

Wolfgang Kehr: Nach Abschluss der ersten klinischen Studie zur Bestimmung des Blutspiegel-Zeitverlaufs des Parkinson-Therapeutikums können wir den Investoren mitteilen, ob Bioäquivalenz dieses Produkts erreicht werden kann – eine Voraussetzung für die Zulassung des Produkts. Über die Ergebnisse dieser mit Mitteln der Investoren durchgeführten Studie werden wir Mitte 2018 berichten können.

Markiert mit .Speichere in deinen Favoriten diesen Permalink.

Die Kommentare sind geschlossen.